
(Dresden, 04.01.2012) Laut der Manpower Talent Shortage Survey 2011 ist der Fachkräftemangel in Deutschland gestiegen. Von den befragten Unternehmen gaben 40% an, dass sie Schwierigkeiten haben Schlüsselpositionen neu zu besetzen. Besonders Fachkräfte im handwerklichen Bereich, Ingenieure, Techniker und IT-Spezialisten werden von den Arbeitgebern händeringend gesucht. Was also machen Recruiter auf der Suche nach neuem Personal? Die Antwort: zunächst einmal Stellenanzeigen aufgeben – online. Dabei stehen dem Personaler einer Reihe kostenlose und gebührenpflichtige Portale zur Auswahl. Welches das Richtige ist, das versuchen eine Reihe von Studien und Kennzahlen herauszufinden. Anhand der 5 größten Stellenbörsen in Deutschland hat pludoni die Studienergebnisse einmal nachvollzogen.
Äpfel mit Birnen
Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung - kurz AGOF – erhebt Reichweiten und Strukturdaten von Werbeträgern im Internet. Dazu nutzt sie ein Multimethodenmodell, das u.a. auf der Basis einer technischen Messung einer Onsite-Befragung arbeitet. Seit 2005 werden in den so genannten internet facts Reichweiten und Marktdaten von Webseiten ermittelt. In der aktuellen Studie vom Juni 2011 werden 78 Webseiten gelistet. Darunter ist jedoch nur das Stellenportal monster.de zu finden. Dieses belegt den Rang 45 mit 1,73Millionen eindeutigen Besuchern.
Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) misst hauptsächlich Printmedien nach ihrer Auflagenhöhe, hat aber auch eine online Sparte, in der u.a. die Besuche einer Webseite gemessen werden. In ihrem Ranking befinden sich über 1000 Portale, darunter auch monster und Stepstone.
Bewerber mögen Zusatzfunktionen
Neben solchen quantitativen Methoden, um Seiten zu bewerten, gibt es auch qualitative Studien. Die crosspro research Studie 2011 führte zwischen Oktober 2008 und August 2011 eine Studie unter Nutzern von online Stellenbörsen durch. Unter anderem wurden die User befragt, welche Funktionalitäten sie nutzen oder was ihre bevorzugte Bewerbungsform ist. Die profilo Studie 2011 gegenüber hat eine Befragung aus Arbeitgebersicht durchgeführt. Neben Funktionalität wurde auch der Zufriedenheitsgrad befragt.
Die crosspro Studie zeigt, dass Bewerber neben der Hauptfunktion der Suche nach passenden Stellenanzeigen, auch Zusatzfunktionen wie z.B. das Hinterlegen eines Lebenslaufes bei Jobbörsen nutzen. Die Zahlen für Zufriedenheit und Suchqualität sind für die fünf großen Portale alle im guten Bereich. Crosspro weist daraufhin, dass diese Werte subjektiv sind, u.a. fließen Auffindbarkeit, Navigation und Präzision der Suchtreffer in diese Bewertung ein. Die Grafik mit Bewertungsanzahl der einzelnen Bewertungen zeigt, dass die Anzahl der abgegebenen Stimmen für jedes Jobportal unterschiedlich hoch ist. Dies erschwert den Vergleich der unterschiedlichen Portale, gibt aber Aufschluss, auf welchen Portalen die meisten User nach Stellenanzeigen suchen.

Arbeitgeber schätzen Betreuung
Die Ergebnisse der Profilo Studie sind nicht frei zugänglich. Laut Pressemeldung der profilo Agentur hat die Jobbörse jobware den höchsten Zufriedenheitsgrad unter den befragten Arbeitgebern mit dem Wert 5,73 (7 = sehr zufrieden). Auf den nachfolgenden Rängen folgen Stellenanzeigen.de (5,6), Stepstone (5,39). Jobscout24 und monster sind etwas abgeschlagen mit den Werten 4,89 und 4,76. Die Ergebnisse werden mithilfe von Angaben über Kundenbetreuung, Nutzerfreundlichkeit und Preis/Leistungsverhältnis ermittelt. Kritisch bei dieser Studie ist, dass die Berechnung der Zufriedenheit nicht offen gelegt wird. Die Wichtung der einzelnen Faktoren ist dabei besonders wichtig, da Mittelwerte zu verfälschten Ergebnisse führen können. Des Weiteren ist es fraglich, was mit unter Kundenbetreuung gemeint wird bzw. was Personaler daran schätzen. Die meisten Stellenportale sind darauf ausgelegt, dass die Funktionen selbsterklärend sind und man in kurzer Zeit Anzeigen online stellen kann. Eine umfassende Betreuung ist daher nich nötig und auch von den Betreibern der Jobbörsen nicht vorgesehen.
Schon bei der Recherche bezüglich der Kennzahlen wird deutlich, dass es sehr schwierig ist die einzelnen Portale zu vergleichen, da nicht zu jedem Portal Erhebungen vorgenommen werden. Die qualitativen Studien von crosspro und profilo liefern Ergebnisse zur Nutzungsweise der einzelnen Portale sowohl aus Bewerbersicht als auch aus Arbeitgebersicht. Da diese Studien sehr subjektiv sind, lassen sich hier eher Trends ablesen.
Jobplattformen als non plus ultra?
Bereits seit zehn Jahren werden im Rahmen der CareerXroads Studie Personaler von nordamerikanischen Großunternehmen (2.500-100.000 Mitarbeiter) zu ihren Rekruitingmaßnahmen befragt. In diesem Jahr wurden 200 sogenannte staff leader, also Personalleiter, befragt – 36 haben geantwortet. Hier die interessantesten Ergebnisse:
- 50,3% der offenen Stellen werden intern vergeben
- 27,5% der offenen Stellen werden über Empfehlungen vergeben, 24,9% über Jobplattformen und 18,8% über die Karriereseite vergeben
- 10,3 Empfehlungen im Durchschnitt werden benötigt, um eingestellt zu werden
- 826 Mal wird eine Stellenanzeige auf einer Karriereseite angeklickt, bis eine Einstellung erfolgt
Diese Werte beziehen sich natürlich nur auf den US-amerikanischen Bewerbermarkt. Aber es wird deutlich, wie wichtig Empfehlungen sind, um eine gute Anstellung zu erhalten. Jedoch sind Empfehlungen und vor allem persönliche Kontakte zu Managern und Führungskräften, die dann in einer Empfehlung münden, vor allem bei Absolventen kaum vorhanden. Auch der Bloger Phil Rosenberg sieht das als Problem an. In einer Umfrage wollte er herausfinden, über welche Kanäle Bewerber zu einem neuen Job finden. Er hat eruiert, dass 80% der Stellen dadurch vergeben werden, dass Personalleiter bereits die geeignete Person kennen. Nur 10% der Neueinstellungen werden über Jobplattformen vergeben. Und dass obwohl über 60% der Befragten angaben, über die Hälfte der Zeit ihrer Jobsuche auf Jobplattformen verbracht zu haben.
Aus diesen beiden Studien geht deutlich hervor, dass Jobplattformen, trotz immenser Anzahl von Stellenangeboten, nicht immer eine hilfreiche Möglichkeit bei der Suche nach einem Job sind. Wichtig ist das eigene Netzwerk. Die pludoni GmbH versucht, diesen beiden Problemen Abhilfe zu verschaffen. Sie betreut Unternehmen, die sich zu Communitys (ITsax.de, ITmitte.de, MINTsax.de) verbunden haben, um über ein Portal ihre Stellenanzeigen zu veröffentlichen, da sie händeringend nach qualifizierten Personal suchen. Von den Communitypartnern erhalten Bewerber bei einer Absage oder nach einem Vorstellungsgespräch, bei dem ein anderer Kandidat den Vorrang hatte, eine Empfehlung, die sie bei weiteren Bewerbungen innerhalb der Community verwenden können. Dadurch kann sich ein Bewerber sowohl ein Netzwerk als auch ein Cluster an Empfehlungen aufbauen, die er auch Jahre später noch verwenden kann.
Bildquelle: flickr.com/photos/o5com/5302862115/


