KI im industriellen Einsatz

Mittwoch, 10. Juli 2019, 11:33 Uhr

Beim 28. Automation Day befand sich das Buzzword Künstliche Intelligenz in aller Munde. Denn KI hat das Potential auch in der industriellen Automatisierung einen entscheidenden Sprung in Produktivität und Qualität zu bewirken. In den Räumen der IHK Akademie in Nürnberg erwartete dieses Jahr die Beleuchtung der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von KI in zahlreichen Vorträgen.

Gleichzeitig gab es dieses Jahr das erste Mal zwei Workshops, in denen praktische Möglichkeiten rund um das Thema KI intensiv erarbeitet wurden. So erläuterte Dr. Stefano Signorielleo (infoteam Software AG) in seinem Workshop „Selbstlernende Algorithmen – Optimale Entscheidungen aus dem Nichts“ theoretische Grundprinzipien zum Reinforcement Learning und demonstrierte dies anhand von Umgebungen der openai Python-Bibliothek gym in der Praxis.
Um Reinforcement Learning (RL), das Erlernen von optimalen Handlungen in einem sequentiellen Entscheidungsprozess in einer Umgebung durch ein Belohnungssignal, ging es auch im Workshop von Florian Butsch und Deniz Bingöl (ITQ). Sie demonstrierten dabei die „Anwendung von Reinforcement Learning unter Verwendung von Simulationen“ und stellten die Möglichkeiten der Simulationen mit Unity 3D vor. Anschließend ging es an die Schritte zur Übertragung von in der Simulation trainierte neuronaler Netze auf industrielle Hardware und ein Hands-On anhand eines einfachen Modellbeispiels.

Bei den Vorträgen starteten Jupiter Bakakeu Ngassam (FAPS / Uni Erlangen) und Schirin Tolksdorf (Siemens) in den Tag mit „Chancen, Applikationen und Grenzen des maschinellen Lernens bei Produktionsmaschinen“. Sie betonten, dass Algorithmen helfen, aber auch leicht falsch benutzt werden können.

Tobias Schindler (TH Georg Simon Ohm, ELSYS) sprach über „Reinforcement Learning“ ergänzend zum den Workshops und erklärte die theoretischen Grundlagen dieses Systems, in dem der Algorithmus / Agent in jedem Zustand der Umgebung eine mögliche Handlung wählt, hierfür von der Umgebung eine Belohnung erhält und von ihr zu einem Folgezustand geführt wird. Über die Grundlagen von Künstlicher Intelligenz sprach auch Michael Hagen (infoteam Software AG).

Der erste englischsprachige Vortrag auf einem Automation Day wurde im Anschluss von Dr. Janne Brok (Sioux LIME B.V.) gehalten zum Thema „Improving efficiency of systems and processes through AI and Mathware“. Elena Holsten (Holsten Systems GmbH) und Dr. Christian Spindler (DATA AHEAD ANALYTCS GmbH) sprachen nach ihr darüber „Wie Expertenwissen KI-Modelle stärkt und warum dies als Prozess gelebt werden muss“ und zeigten anhand eines Exponates den interessierten Teilnehmer*innen, wie ihr KI-Modell funktioniert.

Im folgenden Block stand die Bedeutung von KI für den Mittelstand im Fokus. Zunächst referierte Dr. Christian Hock (invenio Cognitive Technologies) zu „Der schnelle Start in die KI mit prädiktiver Instandhaltung für den Mittelstand“ und stellte ein Modell für praxisbezogene kognitive Applikationen vor, mit dem eine schnelle Umsetzung von Anomalieerkennung und prädiktiver Instandhaltung, z.B. anhand von Sensordaten, entwickelt werden kann.  Jens Horstmann (Trevisto AG) sprach über „Herausforderungen, Potentiale und Mehrwerte für den industriellen Mittelstand“ der Künstlichen Intelligenz. Seiner Meinung nach ist es schon heute möglich mit KI die Produktion effizienter zu gestalten. Dies zeigte er am Beispiel von Auftragseingangsprognosen für die Fertigung und vorausschauender Wartung für Maschinen und Anlagen.

Um „Selbstlernende Systeme im End-of-Line-Test“ ging es im Vortrag von Herbert Pichlik (SYSTEC GmbH), der zunächst die Vorteile und Herausforderungen neuronale Netze erläuterte und ihre Rolle in der Test- und Automatisierungstechnik hervorhob. Frank Thurner (Contech Software & Engineering GmbH) stellte wiederum die Möglichkeiten der „KI für robuste Produkte und stabile Prozesse in Montage, Produktion & Entwicklung“ vor. Anhand vielfältiger Anwendungsbeispiele zeigte Thurner, wo sich der Einsatz von KI in Produktionsprozessen lohnt. Die vielfältige Vortragsreihe des Automation Day wurde von Michaeln Enslin (ITQ) geschlossen mit seinem Vortrag „Neuronale Netze in der Qualitätssicherung in der Produktion“. Hierbei führte er in die verschiedenen Thematiken von Machine Learning anhand mehrerer Anwendungsbeispiele ein, wie die Erkennung von Defekten an Dosendeckeln in industrieller Produktion mittels Supervised Learning.

Die Teilnehmer*innen zeigten sich begeistert über den 28. Automation Day und Fachgruppenleiter Michael Sperber versprach auch für den Automation Day 2020 ein spannendes und umfangreiches Programm. Ein Dankeschön gilt neben den Referent*innen auch den Partnern und Sponsoren: IHK Akademie Nürnberg, Automation Valley Nordbayern, Cluster Mechatronik & Automation e.V, d.punkt-Verlag, alpha-bit GmbH, Baumüller, develop group, infoteam Software AG, invenio Cognitive Technologies, iSQI.


Arbeitskreis Software-Qualität und -Fortbildung e.V.

Der Arbeitskreis Software-Qualität und -Fortbildung e.V. (ASQF) ist das Kompetenznetzwerk für Software-Qualität im deutschsprachigen Raum. Die über 1.200 im ASQF engagierten Global Player Unternehmen, leistungsstarken Mittelständler, Fachleute, Hochschulen und Forschungseinrichtungen vereint der gemeinsame Einsatz für hohe Standards in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Know-how, Produkte und Dienstleistungen auf höchstem Niveau zu schaffen ist besonders in der Software-Branche mit ihrem starken internationalen Wettbewerb entscheidend. Die ausgezeichnete Qualität der Software-Produkte ist der strategische Wettbewerbsvorteil und damit Standortfaktor Nummer 1. Diesen Qualitätsvorsprung zu sichern und nachhaltig auszubauen ist daher oberstes Anliegen der ASQF-Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieses Anliegen wird im ASQF gebündelt und verstärkt.