IT- und Telekommunikationsbranche im Aufwind

Montag, 05. Juli 2010, 12:19 Uhr
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Nachdem auch die ITK-Branche im Zuge der Wirtschaftskrise 2009 hohe Verluste hinnehmen musste, befindet sie sich wieder im starken Aufwind. Bereits 69 Prozent der Unternehmer können für das zweite Quartal steigende Zahlen vermelden. Der BITKOM-Index, welcher auch im zweiten Quartal 2010 stark anstieg und nun ein Niveau von 48 Punkten erreichte, verdeutlicht den allgemeinen Trend in der ITK-Branche.

Barometer

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Der BITKOM erwartet für 2010 im ITK-Gesamtmarkt Umsätze auf Vorjahresniveau und 2011 ein Wachstum von 1,6 Prozent auf 142 Milliarden Euro. Diese Entwicklung wird besonders dadurch gefördert, dass die Finanzwirtschaft als Investor nach der Finanzkrise wieder zurückkehrt. Weitere Investitionen sind ebenso von der öffentlichen Hand zu erwarten. Die zukünftige Entwicklung der Branche wird über alle Segmente positiv gesehen. Am optimistischsten Blicken hierbei vor allem Softwarehäuser und IT-Dienstleister in die nähere Zukunft, während immerhin noch zwei drittel der Anbieter von Kommunikationstechnik an steigende Erlöse in diesem Jahr glauben. Insgesamt glauben 71 Prozent der ITK-Branche an ein steigendes Wachstum.

Die aktuelle Entwicklung und das positive Klima in der Branche wirken sich ebenfalls auf die Arbeitsmarktsituation aus. So planen laut einer Umfrage des BITKOM 53 Prozent der Firmen Neueinstellungen, 30 Prozent wollen zumindest keine Stellenkürzungen vornehmen und lediglich 17 Prozent der Unternehmen planen mit weniger Personal. Dazu meint BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer auf bitkom.com: „Neue Mitarbeiter werden – parallel zum Marktwachstum – vor allem in den Bereichen Software und IT-Services gesucht“. Die IT- und Telekommunikationsbranche gilt hinter der Maschinenbaubranche mit 846.000 Mitarbeitern als zweitgrößter Arbeitgeber der deutschen Industrie.

Branchenausblick

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Groesste Arbeitgeber Deutschlands

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Mit einer Zahl von 599.000 sind die meisten Mitarbeiter im Bereich Informationstechnik tätig. In der Telekommunikation arbeiten 236.000 Menschen, die digitale Unterhaltungselektronik zählt 11.000 Beschäftigte. „2010 wird der Arbeitsmarkt in der ITK-Branche voraussichtlich leicht wachsen“, meint weiterhin Prof. Scheer auf bitkom.com. Es ergibt sich jedoch dadurch ein Fachkräftemangel, der die Geschäftstätigkeit von einem drittel der Unternehmen bremst. Derzeit gibt es rund 20.000 offene Stellen in der ITK-Branche. Auch in Zukunft wird laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission die Nachfrage nach IT-Experten in Deutschland in den kommenden Jahren beständig über dem Angebot liegen. Aus Sicht des BITKOM ließe sich dieser Mangel vor allem durch eine Modernisierung des Bildungssystems, eine Steigerung des Frauenanteils sowie eine aktive Zuwanderungspolitik beheben. Dies erfordert eine breite Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft.

Zunehmende Veränderungen hinsichtlich Fragestellungen wie Freiheit und Sicherheit, Anonymität und Verantwortung im Web sowie einer infrastrukturellen Unterstützung der ITK-Branche stellen die Politik ebenso vor neue Herausforderungen. „Themen wie Internet-Sperren, Überwachung und Urheberrecht müssen öffentlich breiter diskutiert werden. Der Zuspruch für die Piratenpartei hat gezeigt, dass es an Kompetenzvertrauen in die etablierten Parteien fehlt.“ beurteilt Prof. Scheer die aktuelle Situation auf bitkom.com. Diese Notwendigkeit nach einem breiten politischen Diskurs teilen laut einer BITKOM-Umfrage zur Bundestagswahl 2009 60 Prozent der Deutschen, welche sich wünschen, dass die Internetpolitik in dieser Legislaturperiode ein wichtiges Thema sein soll. Dennoch zieht Scheer eine positive Bilanz der ersten Monate der neuen Bundesregierung. „Die Internetpolitik ist weit nach oben auf die Agenda gerückt“. Hinsichtlich infrastruktureller Verbesserungen schlägt Prof. Scheer eine Software-Initiative vor, welche einen Software-Fonds umfasst, der insbesondere mittelständische Firmen bei der Expansion in ausländische Märkte fördert. Weitere Forschungsausgaben sollten insbesondere für Software-Projekte als Innovationstreiber von Anwenderindustrien verwendet werden.

Die positive Entwicklung der Branche stelle also Wirtschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Insbesondere die Internet- und Schulpolitik können einen großen Teil dazu beitragen, das wachsende Potential der Branche auszuschöpfen.

Quellen: BITKOM.com - 71 Prozent der Hightech-Firmen erwarten Umsatzplus BITKOM.com - Jede zweite Hightech-Firma sucht Mitarbeiter BITKOM.com - Stimmung in der ITK-Branche hellt sich deutlich auf