Wohnortwechsel für einen Arbeitsplatz nicht um jeden Preis

Donnerstag, 28. Mai 2009, 11:49 Uhr

Verschiedene Studien von 2006 bis 2008 beschäftigen sich mit dem Thema Wohnortwechsel. Die Ergebnisse muss man differenziert betrachten. Für einen neuen Job sind Manager bereit weiter weg zu ziehen. Mitarbeiter sind eher bereit zwischen Wohnung und Arbeitsort zu pendeln. Ostdeutsche Auszubildende nehmen aber die größten Entfernungen in Kauf.

meinestadt.de hat sich auf die regionale Jobvermittlung spezialisiert und zeigt daher in ihrer Studie von 2006, in der 10.000 Nutzer befragt wurden, dass Wohnortwechsel bei bestimmten Altersgruppen wie 20-29 Jährige und 50-59-Jährge eher unbeliebt sind. Ca. 70% sind hier nicht bereit den Wohnort für einen neuen Job zu wechseln. Kein Problem für die Deutschen ist das Pendeln in der nahen Umgebung ihrer Wohnorte. So zeigten sich 75 Prozent der Befragten bereit, bis zu 20 Kilometer zu pendeln. 50 Prozent gaben an, bis zu 30 Kilometer zu fahren und 25 Prozent würden noch 50 Kilometer auf sich nehmen. Immerhin 10 Prozent der Studien-Teilnehmer gaben an, dass sie sogar 70 Kilometer zurücklegen würden.

Etwas anders sieht das für Managern aus. In 2006 erstellte ImmobilienScout24 eine Studie, in der 100 Personalberater und Headhunter befragt wurden, wie es um die Mobilität von Managern steht. Die Studie zeigt, dass Jobwechsel häufig mit einem Umzug verbunden sind. Derzeit wechselt durchschnittlich jeder Zweite im Mittleren Management mit dem Job auch seinen Wohnort. Die Mehrheit nimmt die damit verbundenen Unannehmlichkeiten jedoch nur notgedrungen in Kauf. Eine Alternative zum Umzug ist das Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Der Studie zufolge sehen knapp die Hälfte der Personal-Experten bei Managern die Bereitschaft, 100 bis 200 km zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln.

Die Studie "Job Mobilities and Family Lives in Europe", EU-gefördert, befragte 2008 über 1.600 Personen zwischen 25 und 54 Jahren in Deutschland. Darin heißt es, dass nur 20 Prozent der Berufsmobilen in eine andere Region innerhalb Deutschlands oder in ein anderes Land umgezogen sind. Die Mobilitätsdynamik in Deutschland zeigt sich vielmehr darin, dass 80 Prozent der Mobilen ständig wiederkehrend unterwegs sind, indem sie regelmäßig weite Fahrstrecken zum Arbeitsplatz auf sich nehmen oder häufig auswärts übernachten. Die Studie zeigt weiterhin, auch wenn Mobilität für viele Deutsche mittlerweile zu ihrem Berufsalltag gehört, sind nicht alle glücklich damit. Nur ein Drittel der Mobilen betrachtet die eigene Mobilität als Chance und verbindet damit etwas Positives. Dagegen sehen 55 Prozent Mobilität als notwendiges Erfordernis.

Im IAB-Kurzbericht Nr. 9/2008 heißt es: "Die Suche nach Lehrstellen macht junge Menschen mobil". Diese Studie legt einen Schwerpunkt auf das Thema Pendeln und Mobilität von Auszubildenden. Ostdeutsche Jugendliche müssen wegen der größeren Versorgungslücke meist längere Wege zum Ausbildungsplatz in Kauf nehmen als westdeutsche. Im Osten legen Auszubildende durchschnittlich mehr als 150 km zwischen Wohn- und Arbeitsort zurück. Sinkende Bewerberzahlen und die nach wie vor große Zahl an außer betrieblichen Ausbildungsplätzen im Osten könnten aber die Situation dort entspannen und den Mobilitätsdruck senken.

Quellen: Studie meinestadt.de 2006 Studie ImmobilienScout24 2006 Studie EU-geförderte 2008 Medienecho Studie IAB-Kurzbericht 2008