Abschied und Aufbruch

Donnerstag, 23. Juni 2022, 13:42 Uhr
Doppelter Abschied: Rektor Ludwig Hilmer bei der letzten Feierlichen Exmatrikulation seiner Amtszeit inmitten der Festgemeinde aus Absolvent:innen, Angehörigen und Professor:innen.

Doppelte Wehmut schwang mit beim „akademischen Rausschmiss“, den Rektor Ludwig Hilmer am 16. und 17. Juni bei zwei Feierlichen Exmatrikulationen vollzog. Denn es waren seine letzten Feiern als Rektor. In über 50 Immatrikulations- und Exmatrikulationsfeiern der im Herbst zu Ende gehenden zehnjährigen Amtszeit begleitete Hilmer die Studierenden und Absolvent:innen auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt. „Ab Herbst bin ich wieder ein freier Mensch“, dann beginne für ihn ein Forschungsjahr, so Hilmer. „Das ist so etwas wie Resozialisierung für Professoren.“ Auch für die Absolvent:innen in der Evangelischen Stadtkirche, die ein weiteres Mal den passenden Rahmen für die Feier bot, heißt Exmatrikulation zunächst einmal Abschied von der Hochschule, aber mehr auch Aufbruch in etwas Neues.

Abschied und Aufbruch lagen für die Teilnehmenden der Feier am Donnerstag, dem 16. Juni, auch schon etwas länger zurück. Für diesen Tag hatte die Hochschule die Absolvent:innen des Wintersemesters 2019/2020, Sommersemesters 2020 und Wintersemesters 2020/2021 eingeladen. Deren Feiern wurden pandemiebedingt verschoben und nun endlich nachgeholt. Rund 150 Absolvent:innen und über 330 Angehörige kamen trotz des großen zeitlichen Abstands zum Studienende.

Die Feier am Freitag, dem 17. Juni, für die Absolvent:innen des vergangenen Wintersemesters (2021/2022) war dann wieder pünktlich im akademischen Jahreskalender einsortiert und füllte mit über 200 Absolvent:innen und 500 Angehörigen das Kirchenschiff.

Aufbruch

Eine fast volle Kirche: Hausherrin und evangelische Studierendenpfarrerin Nina-Maria Mixtacki freute das natürlich. Sie begrüßte die Festgemeinde und nahm den Aufbruch-Gedanken auf, erinnerte an den biblischen Abraham, den Stammvater Israels, der sich auf den Weg gemacht hat, eine neue Heimat und neue Freunde zu finden. „In seinen Zweifeln begegnet er Gott, und so hat er immer wieder den Mut gefunden, die nächste Grenze zu überwinden – durch Vertrauen.“ An die Absolvent:innen gerichtet: „Haben Sie Mut, Grenzen zu überwinden, dort wo Barrieren zwischen Menschen aufgebaut werden, dort wo Menschen nicht mit Respekt behandelt werden. Machen Sie die Welt zu einem besseren Ort und wissen Sie: Sie gehen nicht alleine. Gott geht mit Ihnen.“

Festredner am Donnerstag war Professor Hans-Peter Niedermeier, Professor an der Hochschule Mittweida und ehemaliger Leiter des Instituts für Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung. Diese beiden Aufgaben und die Förderung junger Liedermacher:innen „haben mich alle total begeistert und glücklich gemacht. In allen drei Bereichen durfte ich jungen Menschen helfen, ihre Wurzeln zu stärken, und durfte dazu beitragen, ihnen Flügel zu verleihen“. Das sei auch die wunderbare Aufgabe der Hochschule Mittweida, „einem großartigen Bildungspartner“ der Absolvent:innen. Diese erinnerte Niedermeier wiederum an ihre Aufgabe, sich aktiv für die politische Freiheit und deren staatlichen Ausdruck, die Demokratie, zu engagieren: „Es gibt Freiheit nur so lange, wie es dynamische, leidenschaftliche, wertorientierte und kompetente Demokraten gibt. Insbesondere werden viele junge Menschen benötigt, die sich mit Zivilcourage und Mut für Frieden, Freiheit und für unsere Demokratie einsetzen. Deshalb setze ich auf Sie, auf die junge Generation, die unsere Republik, aber auch die Zukunft dieses Planeten wesentlich mitprägen wird!“

Keine Festrede in diesen Tagen an junge Menschen, die die Zukunft gestalten sollen, ohne den Krieg in der Ukraine. So auch am Freitag. Für Professor Roland Fleck, Geschäftsführer der Messe Nürnberg Group und Honorarprofessor an der Hochschule Mittweida, ist die Beendigung des „Krieges vor der Haustür“ einer der „drei gewaltigen Aufgaben, vor denen wir stehen“, und zwar die kurzfristige Aufgabe. Ihr folgen, so Fleck, mittelfristig die Umstellung der Energieversorgung für weniger Abhängigkeit und langfristig das Ende des Kohlezeitalters. Die Absolvent:innen forderte Fleck auf, die neuen Chancen zu nutzen, die mit der Zäsur des Studienabschlusses verbunden seien, und gab ihnen die Erfolgsregel Otto von Bismarcks mit auf den Weg: „Ich jage nie zwei Hasen auf einmal.“

Corazón-Jahrgang

Der Horizont der beiden Feierlichen Exmatrikulationen am 16. und 17. Juni reicht zurück bis ins Wintersemester 2019/2020. Seitdem haben an der Hochschule Mittweida rund 5.200 Studierende erfolgreich ihr Studium abgeschlossen. Die Coronapandemie hat einige offizielle Feiern dieses Erfolges unmöglich gemacht und auch Lernen und Lehren vor große Herausforderungen gestellt. Aktuell sind aber die Zahlen der Abschlüsse an der Hochschule Mittweida nicht rückläufig, der Anteil der Studierenden in Regelstudienzeit ist konstant.

In Anspielung und als Antwort auf Corona bezeichnete Rektor Hilmer am Freitag die jüngsten Alumni der Hochschule als „Corazón-Jahrgang“, als Jahrgang der Herzen, und warb darum, die Verbindung zur Hochschule aufrechtzuhalten: „Sie gehen als andere, als Sie gekommen sind, und doch hoffen wir, dass Sie nicht wirklich gehen. Dass Sie zwar hinausgehen in die Welt, aber dass wir Sie halten können."

Eine passende Symbolfigur und doppeltes Abschiedsgeschenk präsentierte Hilmer eine neue Holzfigur von Björn Köhler, die die drei Figuren der Hochschul-Gründungsväter Willi, Charlie und Fredi ergänzt. „Zum ersten Mal gibt es eine Frau: Helene Oster, Tochter von Technikums-Direktor Alfred Udo (Fredi) Holzt und Urheberin der Internationalität der Hochschule.“ Helene war die Schwägerin von Hans Oster, des am 9. April 1945 im KZ-Flossenbürg ermordeten Widerstandskämpfers gegen die Nationalsozialisten.

Ausgezeichnet

Ein jüngerer Förderer der Internationalität der Hochschule Mittweida wurde am Freitag mit der Goldenen Ehrennadel der Hochschule ausgezeichnet: Professor Peter Gottschalk. Der Theologe und Journalist lehrt seit 25 Jahren an der Hochschule neben seiner Tätigkeit beim deutsch-französischen Sender Arte, wo er die Dokumentationssparte verantwortete.

Die Fakultät Ingenieurwissenschaften verlieh am Freitag zwei Preise an Nachwuchsforscher der Hochschule für deren herausragende wissenschaftliche Arbeiten. Den Carl-Springe-Preis erhielt Promovend Kevin Blümel. Er beschäftige sich in seiner Masterarbeit mit der Entwicklung eines Systems, das in der innerbetrieblichen Logistik, also in zum Beispiel in großen Lagern, Unfälle zu vermeiden hilft, indem es Gefahren wie sich nähernde Fahrzeuge multisensoriell erkennt und Menschen richtungsorientiert vibrotaktil warnt.

Den Gerhard-Neumann-Preis 2022 erhielt Masterabsolvent Eric Syrbe für die Entwicklung einer Berechnungsmethode, die die für große Datenübertragungsraten gegenüber dem Kupferkabel weit überlegende Lichtwellenleitertechnik weiter optimiert. Die für die Ein- und Auskopplung der Laserstrahlung in einem Lichtwellenleiter nötigen Mikrolinsen können damit wesentlich kompakter für die Verwendung in hochintegrierten Schaltkreisen hergestellt werden. Statt herkömmlicher Leiterplatten sollen zukünftig Glaswafer zum Einsatz kommen, in die die Linsen direkt hineinstrukturiert werden.

Abgelichtet

Die Fotos von den Feierlichen Exmatrikulationen stehen in einigen Tagen hier zum Anschauen und Download zur Verfügung.

Fotos 1-10: Helmut Hammer, 11: André Wirsig


Hochschule Mittweida

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